Geschichte & Geschichten  
   
  Vor vierzig Jahren befand sich die Heuerstelle des Verbandes deutscher Reeder im Souterrain des Sloman-Hauses am Baumwall, Ecke Steinhöft. An den Wänden des  Wartesaales standen Bänke, die von den  älteren Herrschaften beansprucht wurden. Linker Hand waren drei Klappen, die die Aufschriften „Deck“, „Maschine“ und „Bedienung“ trugen. Hinter diesen Klappen trieben die beiden Heuerbaase Jonny Barkbusen und Hanning Suhr ihr Wesen.
Nur gute Bekannte der beiden und „alte“ Seeleute von 40 Jahren an aufwärts durften sich erlauben, hier anzuklopfen. Unsereins, Decksjungen, hatten zu warten. Bis sich die Klappe auftat. Dann reichte man dem Heuerbaas schnell das Seefahrtsbuch mit der Bitte um Eintragung.
Es konnte geschehen, dass einem die Klappe wortlos vor der Nase zugeschlagen wurde. Und wehe dem, der sich herausnahm anzuklopfe: „Kannst du nich tauben, bet du trogt warst?“ Nach einer halben oder auch erst nach zwei Stunden ging die Klappe auf. Die Namen der Angeheuerten wurden aufgerufen und ihnen das Seefahrtsbuch und der Heuerschein ausgehändigt, gewöhnlich mit einer kurzen Bemerkung wie „Schip ligt an Reiberstieg“ oder  „Bi Sietas“. Erst wenn der Seemann den Heuerschein in den Händen hielt, erfuhr er, auf welchem Dampfer er sich verneuert hatte.

Es ist klar, dass mancher Seemann vorher fragte: „Jonny, wat ist dat forn Schip?“ War der Frager ein gute Bekannter des Heuerbaases, sagte Jonny Barkhusen kurz den Namen des Schiffes. War der Frager dagegen ein junger Hüpfer, musterte Jonny ihn über den Rand seiner Brille. Bei schlechter Laune lautete die Antwort „Wullt du`n Schip? Lustyachten gift dat hier nicht“. War Jonny einmal guter Laune, lautete seine Antwort „Fein Schip, goden Kaptein, jeden Dag Pudding“.

 
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
  Aus: Piegfall, Mitteilungsblatt für die Freunde des Gaffelriggs.